Medien / Literatur

Die Wochenkinder: Frühe Trennung, späte Folgen von Alexander Teske

Jan Josef Liefers erzählt von seiner Ketamintherapie im frühkindlichen Alter. Sandy Graf wurde von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben, und Bernd Liebenau kam bis zum Alter von sechs Jahren nur einmal im Monat zu seinen Eltern nach Hause. Sie stehen beispielhaft für die etwa 500 000 Wochenkinder in der DDR. Die Säuglinge von Alleinerziehenden, Schichtarbeiterinnen oder Künstlern wurden bereits im Alter von sechs Wochen abgegeben. Die Eltern wussten nicht, dass die Kleinkinder teilweise nachts fixiert wurden, Beruhigungsmittel bekamen oder krank in Isolierzimmer gelegt wurden. Viele dieser ehemaligen Wochenkinder leiden oft noch heute unter den traumatischen Folgen. Der Journalist und Bestsellerautor (»inside Tagesschau«) Alexander Teske hat nicht nur Therapeuten, Wissenschaftler und Betroffene befragt, er erzählt auch seine eigene bewegende Geschichte.

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Studie: Wenn frühe Nähe fehlt: Bindungsunsicherheit als Mediator zwischen emotionaler Vernachlässigung und körperlicher Gesundheit bei ehemaligen Wochenkrippenkindern

Frühe emotionale Vernachlässigung kann die körperliche Gesundheit langfristig über psychobiologische Mechanismen beeinflussen. Bindungsunsicherheit könnte – neben weiteren Faktoren – einen vermittelnden Mechanismus darstellen. In den DDR-Wochenkrippen wurden Säuglinge und Kleinkinder unter der Woche durchgängig Tag und Nacht in einer heimähnlichen Umgebung betreut, was mit einem hohen Risiko für emotionale Deprivation einherging. Die Kohorte ehemaliger DDR-Wochenkrippen-Kinder bietet die Möglichkeit, Zusammenhänge zwischen früher emotionaler Deprivation, Bindungsunsicherheit und körperlicher Gesundheit im Erwachsenenalter zu untersuchen.



Die Krippen-Lüge von Dr. Anke Ballmann und Claudija Stolz

Unsichere Bindung, fehlende Geborgenheit - so stärken wir trotz Fremdbetreuung das Urvertrauen unserer Kinder

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Die bleibenden Narben früher emotionaler Deprivation - Eine Untersuchung zur aktuellen psychischen Gesundheit ehemaliger Wochenkrippenkinder in der DDR

Die Betreuung von Kleinkindern in Heimeinrichtungen geht in der Regel mit Deprivation einher und hat negative Auswirkungen für die psychische Entwicklung bis ins junge Erwachsenenalter. Bislang ist jedoch unklar, ob frühe Deprivationserfahrungen auch mit dem psychischen Befinden im mittleren und späten Erwachsenenalter assoziiert sind. Die Wochenkrippen in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), in denen Säuglinge und Kleinkinder durchgängig von Montag bis Freitag betreut wurden, können ein Modell darstellen, um mögliche psychische Langzeitfolgen früher emotionaler Deprivation zu untersuchen.



Masterthesis: Zwischen Krippe und Karriere Die Folgen der DDR-Wochenkrippenbetreuung für den schulischen und beruflichen Werdegang von Franz Ferdinand Filz

Diese Bachelorarbeit befasst sich mit den Wochenkrippen der DDR. Diese Betreuungseinrichtungen nahmen Kinder im Alter von sechs Wochen bis drei Jahren auf. Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, ob diese Form der Fremdbetreuung Auswirkungen auf den schulischen und beruflichen Werdegang im Vergleich zu anderen Unterbringungsarten hat. Sie soll einen Einblick in die frühkindliche Fremdbetreuung und deren Konsequenzen liefern. Insbesondere das Thema der Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren ist relevant und gewinnt an Bedeutung.



Die Möglichkeit von Glück von Anne Rabe

In der DDR geboren, im wiedervereinigten Deutschland aufgewachsen. Als die Mauer fällt, ist Stine gerade einmal drei Jahre alt. Doch die Familie ist tief verstrickt. In ein System, von dem sie nicht lassen kann, und in den Glauben, das richtige Leben gelebt zu haben. Bestechend klar und kühn erzählt Anne Rabe von einer Generation, deren Herkunft eine Leerstelle ist.

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Institutionalisierte Kindesbetreuung im Vorschulalter und berichtete Misshandlungen: Eine Befragung in Ostdeutschland

Gewalterfahrungen in der Kindheit erhöhen das Risiko für psychische Probleme im Erwachsenenalter. Wie die frühe institutionelle Betreuung in der DDR mit Gewalterfahrungen assoziiert ist und Angst und Depression im Erwachsenenalter beeinflussen, ist wenig erforscht. Die Stichprobe umfasst N = 1743 Personen, geboren in der DDR (1949–1983). Mit Multigruppen-Pfadanalysen (stratifiziert Männer/Frauen) untersuchen wir den Einfluss vorschulischer Betreuung über den Mediator Kindheitstrauma (CTS) auf Ängstlichkeit (GAD-7) und Depressivität (PHQ-9) im Erwachsenenalter. Es zeigen sich keine direkten Effekte der vorschulischen Betreuung auf Ängstlichkeit und Depressivität. Kindheitstrauma wirkt sich signifikant auf die aktuelle psychische Gesundheit aus (Frauen β=0,253–0,610; Männer β=0,092–0,439). Die Analysen legen nahe, dass es keinen Zusammenhang zwischen institutioneller Betreuung und Gewalterfahrungen in der Kindheit gibt. Weiterer Kontextfaktoren in Betreuung sind für die Entwicklung bevölkerungsweiter Präventionsstrategien, für die Sicherheit von Kindern von Bedeutung.



Wochenkrippen und Säuglingsheime: Institutionalisierte Fremdbetreuung im frühen Kindesalter

In den 1950er und 1960er Jahren wurden in der DDR fast 40.000 Plätze zur wochenweisen Fremdbetreuung von Kindern im Alter zwischen sechs Wochen und drei Jahren geschaffen. Wochenweise bedeutete, dass diese Kinder Tag und Nacht in der Einrichtung verblieben und ein Kontakt zu ihren Eltern nur am Wochenende möglich war. Diese intensive Betreuungsform war eine Voraussetzung dafür, dass die Arbeitskraft der Frauen uneingeschränkt dem Aufbau der DDR zur Verfügung stand. Jedoch passte es auch zum ideologischen Hintergrund, bereits die Jüngsten durch eine umfassende kollektive Erziehung zu einer »sozialistischen Persönlichkeit« zu formen – mit teils lebenslangen Folgen für die Kinder. Die Geschichte der Wochenkrippen und die Entwicklung der dort untergebrachten Kinder wird von den Autor*innen aus verschiedenen Perspektiven nachgezeichnet und in den Kontext aktueller Forschungsergebnisse gesetzt. Dabei richtet sich der Blick auch auf vergleichbare Einrichtungen jenseits der Grenzen der damaligen DDR. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse sind nicht nur für die persönliche und therapeutische Aufarbeitung der ehemaligen Wochenkrippenkinder relevant, sondern auch vor dem gegenwärtigen Hintergrund der 24-Stunden-Kita-Angebote und der Heimeinrichtungen im Rahmen der Jugendhilfe.

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Deutsches Ärzteblatt: Frühkindliche Betreuung in der ehemaligen DDR und psychische Belastung im Erwachsenenalter

Die Antwort auf die Frage, ob eine externe frühkindliche Betreuung zu psychischen Belastungssymptomen im Erwachsenenalter führen kann, ist in Deutschland umstritten. Insbesondere in der ehemaligen DDR wurden Kinder bereits früh außerfamiliär untergebracht.



Die Psychotherapie: Bindung und seelische Gesundheit von ehemaligen Wochenkrippenkindern von Eva Flemming, Stefanie Knorr, Laura Lübke, Claudia Terne und Carsten Spitzer

Eine umfangreiche oder andauernde institutionalisierte Betreuung in den ersten Lebensjahren (etwa in Heimen) ist mit einem erhöhten Risiko für spätere psychische Erkrankungen assoziiert. Die Annahmen der Bindungstheorie können für ein Verständnis dieses Zusammenhangs hilfreich sein. In einer Stichprobe von Personen, die im Alter zwischen 0 und 3 Jahren in einer Wochenkrippe in der DDR betreut wurden, werden die Assoziationen zwischen institutionalisierter Betreuung, dem Auftreten späterer psychischer Erkrankungen und Bindungsunsicherheit in den aktuellen Beziehungen untersucht.



"Simone" von Anja Reich

Im Oktober 1996 erhielt Anja Reich während der Geburtstagsfeier für ihren Sohn einen Anruf von ihrer Freundin Simone. Sie sei gerade dabei, ihr Leben in Ordnung zu bringen, erklärte sie, ob Anja vielleicht vorbeikommen könne? Einen Tag später rief Simone die Journalistin noch einmal in der Redaktion an, wollte ihr die frisch renovierte Wohnung zeigen, klang gut gelaunt; die beiden verabredeten sich für die nächste Woche. Zwei Stunden später sprang Simone aus dem 10. Stock des Hauses, in dem sie wohnte. Bei ihrer Suche nach Antworten ein Vierteljahrhundert später findet sie so nicht nur eine, sondern gleich mehrere mögliche Antworten, darunter einige überraschende. Wie die Wochenkrippe, in die Simone, wie damals in der DDR üblich, als Baby von ihren berufstätigen Eltern gebracht worden war – eine Erfahrung, die, wie man heute aufgrund von Studien weiß, bei vielen Betroffenen zeitlebens zu Bindungsstörungen und Verlustängsten führte. Überhaupt war Simones Verhältnis zu ihren Über-Eltern kompliziert, scheiterte die junge Frau bis zuletzt daran, sich abzunabeln.

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Wochenkinder in der DDR: Gesellschaftliche Hintergründe und individuelle Lebensverläufe von Heike Liebsch

Wochenkrippen und Wochenheime stellten in der DDR eine spezielle Form der Fremdbetreuung von Kindern dar. In diesen Einrichtungen wurden Kinder in der Anfangsphase bereits ab der sechsten Lebenswoche, später ab einem Alter von einem Jahr bis zum Schuleintritt untergebracht. Hier blieben sie während der Woche rund um die Uhr. Nur an den Wochenenden kamen die Kinder nach Hause zu ihren Familien. Damit sollten vor allem die Mütter umfassend entlastet werden, um ein ungestörtes Studieren oder Arbeiten zu ermöglichen. Doch es waren vorrangig ökonomische Faktoren, die hinter dieser institutionalisierten Kinderbetreuung standen: Die Frauen wurden als Arbeitskräfte gebraucht. Heike Liebsch arbeitet das System der Wochenunterbringung in der DDR umfassend auf…

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Leipziger Erklärung des Testimony-Verbundes

Testemony ist ein Forschungsverbund, das den Stimmen der Betroffenen, die als Kinder oder Jugendliche in Kinderheimen, Jugendwerkhöfen oder anderen Spezialheimen untergebracht waren, in den Mittelpunkt stellen soll. Ziel ist die individuellen Bewältigung und auch die gesellschaftliche Aufarbeitung. Das Thema wird im Forschungsverbund, dem die Universität Leipzig, die Medical School Berlin, die Alice Salomon Hochschule Berlin und die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf angehören, mit interdisziplinären Zugängen und unterschiedlichen Schwerpunkten erforscht. Zentrale Ergebnisse dieser Studie wurden von den Projektbeteiligten in der Leipziger Erklärung zusammengefasst und wichtige Empfehlungen für die Aufarbeitung der Thematik formuliert.